07/2026 Verantwortungsvoll in die Zukunft: Energiewende in Roggenburg

Verantwortungsvoll in die Zukunft: Energiewende in Roggenburg

  Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Aktuell ist ein weitestgehend anonymisierter Flyer „Windkraftanlagen in Roggenburg?“ im Umlauf. Neben einer Mailadresse ohne Klarnamen ist ausschließlich eine presserechtlich notwendige Kontaktangabe aufgeführt. Nachdem es sich hier um eine auswärtige Adresse handelt, ist hieraus nichts weiter abzuleiten. Mit der Gemeindeverwaltung wurde der Flyer nicht abgestimmt, noch wurde er vorher angekündigt. Insoweit ist auch die Aufforderung zur Kontaktaufnahme mit der Gemeinde für uns nicht nachvollziehbar. Da uns weder Verfasser noch Verantwortlicher bekannt sind, geben wir inhaltlich keinerlei Stellungnahme ab. Die Verteilung des Flyers nehmen wir zum Anlass eines kurzen Sachstandsberichts.

 Die Gestaltung der Energiewende ist eine der zentralen Aufgaben unserer Zeit. Neben der Ausstattung aller geeigneten gemeindeeigenen Gebäuden mit einer Dach-Photovoltaikanlage beschäftigen wir uns auch mit der Nutzung von Solarenergie im Bereich von Freiflächen und der Thematik Windkraft. Als Gemeinde und als Gemeinderat sind wir uns unserer großen Verantwortung für das Wohl Roggenburgs, der hier lebenden Bürgerinnen und Bürger sowie den Schutz unserer Umwelt und Natur sehr wohl bewusst.

 Zukünftige Investitionen und Projekte in diesem Bereich betreffen uns alle direkt und langfristig. Daher gilt für uns der klare Grundsatz: Sorgfalt vor Eile. Zum jetzigen Zeitpunkt sind noch keinerlei endgültige Entscheidungen für oder gegen konkrete Windkraft-Projekte getroffen worden. Wir befinden uns derzeit ausschließlich im Stadium der Machbarkeitsanalyse. Dabei ist es auch wichtig, proaktiv am Prozess teilzunehmen. Es ist nicht auszuschließen, dass auswärtige Investoren hier bei uns und auch in umliegenden Gemeinden Flächenakquise betreiben, um ohne Beteiligung der Gemeinde, ohne mögliche Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger aus reiner Profitorientierung heraus Standorte zu sichern und Projekte gewinnmaximierend auszuführen.

 Die grundsätzliche Ausweisung der Windvorrangflächen durch den Regionalverband Donau/Iller wird voraussichtlich erfolgen. Die entscheidende Frage lautet daher bei einem bestehenden Baurecht nicht mehr ob Windenergie in diesem Gebiet umgesetzt wird, sondern wie sie umgesetzt wird – also wer die Projekte entwickelt, wie viele Anlagen letztlich errichtet werden und vor allem, ob die damit verbundene Wertschöpfung in der Region verbleibt oder überwiegend an die beschriebenen Investoren abfließt. Um dies zu verhindern, sind wir in Vorleistung getreten. Die Gestaltungsmöglichkeiten liegen noch bei der Gemeinde. Diese dürfen wir nicht aus der Hand geben.

 Für das weitere Vorgehen hat der Gemeinderat eine klare und unmissverständliche Prioritätenabfolge festgelegt:

 Mensch, Natur und Umwelt stehen an erster Stelle:

Sobald zweifelsfrei feststeht, dass die wesentlichen Belange unserer Bürgerinnen und Bürger sowie der Schutz von Natur und Umwelt vollständig berücksichtigt und gewahrt sind, gehen wir den nächsten Schritt.

 Prüfung der Wirtschaftlichkeit:

Erst nach grünem Licht im ersten Schritt werden die wirtschaftlichen Aspekte detailliert geprüft. Auch hier ist ein absolut positives Votum zwingende Voraussetzung.

Nur wenn beide Prüfstufen erfolgreich und im Sinne unserer Gemeinde durchlaufen werden, kann eine potenzielle Bürgerenergie-Anlage überhaupt Realität werden. Ein konkreter Zeitplan ist aufgrund der vielen Beteiligten und des komplexen Sachverhalts nur sehr schwierig darstellbar. Auf alle Fälle wird noch einige Zeit benötigt, um dann die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Zukünftige Investitionen zur Erreichung der notwendigen Energiewende werden wir nüchtern, sachlich und mit der notwendigen fachlichen Unterstützung von unabhängigen Experten abwägen. Die Lebensqualität unserer Bürger, der Erhalt unserer Natur, die Wirtschaftlichkeit und die dezentrale Energieerzeugung müssen stets in einem ausgewogenen und vertretbaren Verhältnis zueinanderstehen. Ziel ist es, diesen Weg nachhaltig, sicher und vor allem transparent, ohne Polemik und mit gesicherter Faktenlage gemeinsam mit Ihnen zu gehen. Sobald belastbare Aussagen vorliegen, wird es auch eine umfangreiche Bürgerbeteiligung geben.

  Thomas Franke, Erster Bürgermeister                 Gemeinderat Roggenburg