Warum erhöht sich die Wassergebühr ab 2019?

 

Die Gemeinde Roggenburg informiert: 

Neukalkulation der Trinkwassergebühren zum 01.01.2019

Die Gemeinde Roggenburg hat im Jahr 2016 mit der Erstellung eines Strukturgutachtens zur Neuordnung der Wasserversorgung die Voraussetzungen für ein neues, umfassendes Versorgungskonzept erstellt. Ziel ist es eine qualitativ einwandfreie Versorgung für die gesamte Gemeinde für die nächsten Jahrzehnte sicherzustellen. Dies wirkt sich nun auch erstmals spürbar auf die Gebühren für den Bezug von Trinkwasser aus:

 

Investition

Die Ertüchtigung der Trinkwasserversorgung mit dem Bau eines zentralen Hochbehälters und neuen Leitungen von den Trinkwasserbrunnen Biberach und Schießen direkt zum Hochbehälter und neuen Versorgungsleitungen in die Ortsnetze ist derzeit das größte gemeindliche Infrastrukturprojekt. Die Baumaßnahmen werden ihren Schwerpunkt im Jahr 2019 finden und im Jahr 2020 wohl fertiggestellt werden können.

Durch die Preisentwicklung im Baugewerbe haben sich die aktuell angesetzten Kosten im Vergleich zu den ursprünglichen Berechnungen stark erhöht. Erfreulicherweise wurde völlig überraschend die staatliche „Richtlinie für Zuwendungen zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben“ zum 1.11.2018 geändert. Für unsere Investitionen sind nun Zuschüsse möglich.

 

Durch die in Aussicht gestellten Zuwendung verringert sich der Finanzbedarf auf etwas über 2,3 Millionen Euro – Stand Dezember 2018.

 

Finanzierung

Bei einer Finanzierung ausschließlich über die Verbrauchsgebühren würden sich die Kosten über den Abschreibungszeitraum von 30 bis 40 Jahren verteilen. Die Wassergebühr würde damit dauerhaft auf ein sehr hohes Niveau ansteigen.

 

Als Alternative kommt die Finanzierung über Ergänzungs- /Verbesserungsbeiträge in Betracht.

 

Bereits im Sommer 2017 hat der Gemeinderat beschlossen, diese große Investitionen je zur Hälfte über die laufenden Verbrauchsgebühren und über Ergänzungsbeiträge zu finanzieren. Seither ist auch bekannt, dass die Wassergebühren auf deutlich über zwei Euro je Kubikmeter steigen werden – im Mitteilungsblatt 8/2017 haben wir eine Gebührenerhöhung zum damaligen Stand auf 2,05 €/m³ netto prognostiziert.

 

Ergänzungsbeitrag

Hier kommen auf alle Grundstückseigentümer Belastungen in Form von Verbesserungsbeiträgen zu. Der Gemeinderat wird dazu im Laufe des Jahres die erforderliche Ergänzungsbeitragssatzung diskutieren und beschließen. Ein mittleres Grundstück (700 m² Grundfläche / 300 m² Geschossfläche) wird mit voraussichtlich mindestens 1.000 € beteiligt. Der Verbesserungsbeitrag wird auf mehrere Abschlagszahlungen in den kommenden Jahren verteilt, ein erster Abschlag ist im Jahr 2019 vorgesehen.

 

Gebühren

Durch die 50%-Investitionsfinanzierung über die Verbrauchsgebühren erhöhen sich diese ab sofort. Die aktuelle Gebührenkalkulation geht davon aus, dass jährliche Kosten von durchschnittlich knapp 330.000 € über die verkaufte Trinkwassermenge als Verbrauchsgebühren erhoben werden müssen, zudem ist eine Unterdeckung aus den Vorjahren auszugleichen.

 

Die neue Gebühr für den Bezug von Trinkwasser für die Jahre 2019 bis 2021 musste nun auf 2,18 € zzgl. MWSt (7 %) - also auf 2,33 € / m³ für den privaten Endkunden – festgesetzt werden.

 

Die Gebührenerhöhung ist aber nicht nur den Investitionen geschuldet, auch die Rahmenbedingungen für eine zeitgemäße Wasserversorgung schlagen ganz erheblich zu Buche:

 

Sinkender Wasserverbrauch

Seit Jahren sinkt der durchschnittliche Wasserverbrauch je Einwohner. Betrug dieser deutschlandweit im Jahr 1990 noch 147 Liter/Tag sind es derzeit nur noch 128 Liter/Tag.

 

Verschärfend wirkt sich der Strukturwandel in der Landwirtschaft aus – immer mehr Ställe stehen leer und landwirtschaftliche Betriebe als Großverbraucher fallen zunehmend weg.

 

Im letzten Kalkulationszeitraum konnte mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 165.000 m³ im gesamten Gemeindegebiet gerechnet werden. In der aktuellen Kalkulation gehen wir von einer Reduzierung auf 159.000 verkaufte Jahreskubikmeter aus.

 

Steigende Nitratwerte bei allen Brunnenstandorten sind ein großes Thema im gesamten Land. Um die Einträge durch die Landwirtschaft in Grenzen zu halten, hat die Gemeinde Roggenburg mit Landwirten „Vereinbarungen zur grundwasserschonenden Landbewirtschaftung in Wasserschutzgebieten“ abgeschlossen. Die Mehraufwendungen der Landwirtschaft sind dabei durch Ausgleichszahlungen der Gemeinde zu entschädigen.

 

Der Minderverbrauch und das Mehr an Kosten schlagen sich bei gleicher bzw. teurerer Infrastruktur in den Gebühren nieder.

 

Personal

Jahrzehntelang kümmerten sich „fachkundige Personen“ um die Wasserversorgungen, d.h. engagierte Bürger betreuten die Wasserversorgungseinrichtungen nebenberuflich oder sogar ehrenamtlich. Dies ist mittlerweile nicht mehr möglich. Rechtliche Vorgaben schreiben die erforderliche Qualifikation detailliert vor, die Einhaltung der Standards wird kontrolliert und ist laufend nachzuweisen. Um diese Vorgaben einhalten zu können, hat die Gemeinde Roggenburg im Rahmen einer Zweckvereinbarung mit der Stadt Weißenhorn geregelt, dass die technische Betriebsführung auf das Personal des städtischen Wasserwerkes übertragen wird. Somit ist der Wassermeister der Stadt Weißenhorn für den ordnungsgemäßen Betrieb unserer Anlagen verantwortlich. Durch die vom Öffentlichen Gesundheitsdienst angeordnete Chlorung des Trinkwassers in Schießen ist ein erhöhter Personalaufwand erforderlich.

 

Parallel dazu wird der gemeindliche Mitarbeiter zur „Fachkraft für Wasserversorgungstechnik“ im Rahmen einer beruflichen Weiterbildung qualifiziert.

 

Zum Betrieb einer Wasserversorgungseinrichtung gehört auch die Vorhaltung eines Störungsdienstes nach den technischen Regeln. Auch dieser Störungsdienst wird vom städtischen Wasserwerk in Weißenhorn sichergestellt. So summiert sich der Gesamtanteil für Personal, Ausbildung und Zusammenarbeit mit der Stadt Weißenhorn auf derzeit knapp 20 % der Gesamtkosten im Bereich der Wasserversorgung.

 

Wassergewinnung

Derzeit versorgen drei Brunnenstandorte unsere Orte mit Trinkwasser: Biberach, Roggenburg mit jeweils einem Brunnen, in Schießen sind zwei Brunnen in Betrieb. Bei allen drei Brunnenstandorten sind die Genehmigungen zur Entnahme von Trinkwasser ausgelaufen – an allen drei Standorten laufen wasserrechtliche Verfahren. Im Rahmen der Genehmigungsverfahren werden auch die Wasserschutzgebiete neu berechnet, anhand von Grundwassermesspegeln im Zustrombereich überprüft und die Schutzgebiete neu festgesetzt. Die hierfür notwendige Mitwirkung von Fachbehörden samt zu erstellenden Gutachten erfordern zeitliche und finanzielle Ressourcen.

 

Versorgungsnetz

Roggenburg ist mit einer Grundfläche von 27 km² und sieben Ortsteilen flächenmäßig eine der größeren Gemeinden im Landkreis Neu-Ulm. Das bedeutet, dass wir ein großes und weitläufiges Versorgungsnetz vorhalten und warten müssen, im dicht besiedelten, städtischen Bereich sind die Versorgungsnetze kompakter und wirtschaftlicher zu betreiben.

 

Leider häufen sich in den letzten Jahren Reparaturen im Leitungsnetz. Durch das Alter der Leitungen, Schieber und Armaturen ist auch in den kommenden Jahren mit anhaltend hohen Wartungskosten zu rechnen, die in eine solide Gebührenkalkulation mit eingepreist werden müssen.

 

Versorgungstechnik

Im Laufe der letzten Jahre wurden die wesentlichen Komponenten der Trinkwasserversorgung mit einem zeitgemäßen Prozessleitsystem ausgestattet. Diese Technik erleichtert die Überwachung, garantiert Versorgungssicherheit und fördert Qualität, verursacht aber natürlich erhöhte laufende Betriebs- und Wartungskosten.

 

Fremdversorgung

Im Rahmen des Strukturgutachtens wurde auch überprüft, ob benachbarte Wasserversorger bereit und in der Lage wären, die Gemeinde Roggenburg mit zu versorgen um in größeren Einheiten Einsparungen erzielen und Synergieeffekte schaffen zu können. Leider sind weder die Gemeinde Buch noch die Stadt Weißenhorn sowie der Zweckverband „Rauher-Berg Gruppe“ in der Lage, Roggenburg mit Trinkwasser zu beliefern.

 

Vergleich mit den Nachbarn

Ein direkter Gebührenvergleich mit benachbarten Kommunen ist immer schwierig, da sich die Infrastruktur in der Regel stark unterscheidet und die Gemeinden bei der Finanzierung Gestaltungsspielräume haben. Manche Gemeinden erheben eine Grundgebühr je Hausanschluss und ergänzend Gebühren für den tatsächlichen Wasserverbrauch, andere haben zur Finanzierung der Investitionen Beiträge von den Grundstückseigentümern erhoben, somit errechnen sich niedrigere Gebühren im tatsächlichen Verbrauch.

 

Vielen Wasserversorgern ist gemein, dass die Anlagen und technischen Einrichtungen in die Jahre kommen und landauf, landab Investitionen mit entsprechenden Auswirkungen auf die Gebühren anstehen. Aktuell müssen beispielsweise auch die Verbraucher in Bellenberg oder im Versorgungsbereich der Rauher-Berg-Gruppe erhebliche Gebührensteigerungen in Kauf nehmen.

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Nach dem aktuellen Gebührensatz erhalten Sie für 2,33 EUR 1.000 Liter hochwertiges Trinkwasser direkt aus Ihren Versorgungsstellen. Das Mehr an Gebühren ist schmerzhaft, alternativlos und trifft uns alle. Wir investieren hier gemeinschaftlich in die Zukunft und in die dauerhafte Qualität unserer Trinkwasserversorgung. Nur so ist gewährleistet, dass wir den Anspruch erfüllen, den Sie zu Recht erwarten: Qualitativ einwandfreies Wasser aus dem Hahn. Jeden Tag im Jahr, 24 Stunden lang. Wir alle schätzen das hochwertige Gut Wasser inklusive der dauerhaft gesicherten Versorgung. In diesem Sinne sieht sich die Gemeinde Roggenburg in der Verantwortung und der Verpflichtung ihren Bürgern gegenüber.

Vielen Dank für das Verständnis.

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