Prämonstratenser-Chorherren

Nach der Überlieferung stifteten Graf Bertold von Bibereck mit seiner Gemahlin, seine Brüder Konrad (Bischof von Chur) und Siegfried (Domherr in Augsburg) um 1126 das Kloster Roggenburg.

Prämonstratenser-Chorherren

Bedeutende Geschichte

Die ersten Prämonstratenser kamen aus dem nahe gelegenen Kloster Ursberg. Sie siedelten sich zunächst in der Niederung beim Weiher an, zogen aber bald auf den Burgberg und weihten dort die erste Klosterkirche ein.

 

Das aufblühende Stift wurde 1444 zur Abtei erhoben und erhielt 1544 die Reichsunmittelbarkeit. Das Kloster überstand die Verwüstungen des Bauernkrieges, die Reformationswirren und die Not der Schwedenzeit. Im gesegneten 18. Jahrhundert schuf das Dreigestirn der großen Äbte Dominikus Schwaninger, Kaspar Geisler und Georg Lienhardt jene barocke Welt, die uns heute noch vor Augen steht. Um 1732 begann der Neubau der Klostergebäude mit dem Westflügel. Im Juli 1752 wurden die Grundsteine für die neue Kirche und den Ostflügel gelegt. Die Arbeiten an der weiträumigen doppeltürmigen Klosterkirche fanden mit den Einweihungsfeierlichkeiten im Oktober 1758 ihren Abschluss. Der Südflügel der Klosteranlage konnte im Jahre 1766 fertig gestellt werden.

 

In der glanzvollen Blüte des 18. Jahrhunderts wurden sämtliche Pfarr- und Filialkirchen des Klostergebietes neu errichtet oder ausgebaut. Vor allem Schießen, Oberwiesenbach, Breitenthal und Ingstetten sind hier zu nennen. Die folgenden Jahre, überschattet vom Flüchtlingselend französischer Emigranten, von Kriegswirren, Plündereien und gewaltigen Kontributionsleistungen fügten dem Kloster großen Schaden zu.

 

Nach dem Frieden von Lunéville war die Säkularisation nicht mehr aufzuhalten. Am 4. September 1802 wurde das Reichsstift Roggenburg von Bayrischem Militär besetzt, am 29. November des gleichen Jahres wurde der letzte Abt, Thaddäus Aigler, seines Amtes enthoben und der Konvent mit 36 Chorherren aufgelöst. Alle Bemühungen von Abt und Konvent, das gemeinsame Leben fortzuführen, erwiesen sich als vergeblich.

 

Wiederbesiedelung

180 Jahre nach der Säkularisation sind die Prämonstratenser wieder in ihr früheres Kloster zurückgekehrt. Die Abtei Windberg bei Bogen in Niederbayern hat in Übereinstimmung mit dem damaligen Diözesanbischof Dr. Josef Stimpfle, Augsburg, im Oktober 1982 die Pfarrei Roggenburg übernommen. Ziel dieser Initiative war es, das Prämonstratenserkloster Roggenburg wieder neu entstehen zu lassen. Engagierte junge Ordensleute lassen die alte Prämonstratensertradition seitdem wieder aufleben. Am 8. November 1992 wurde das neue Kloster durch die Abtei Windberg in den Rang eines abhängigen Priorates erhoben.

 

Vierzehn Prämonstratenser erfüllen derzeit das Haus mit geistlichem Leben. Das Kloster betreut heute neben den 3 Roggenburger Pfarreien auch die Nachbargemeinden Oberreichenbach, Biberachzell, Wallenhausen und Biberberg. Gemäß dem Ordensideal wird die Seelsorge in diesen Pfarreien vom Kloster aus gemeinschaftlich durchgeführt. Ein Mitbruder arbeitet im Amt für Kirchenmusik der Diözese, am Leopold-Mozart-Konservatorium, Augsburg, und fördert die Musik an der Klosterkirche. Mit dem "Zentrum für Familie, Umwelt und Kultur" setzt das Kloster einen neuen Akzent.

 


Ordensregel und Spiritualität

Der Prämonstratenserorden wurde im Jahr 1121 vom h. Norbert von Xanten gegründet. Der Name leitet sich ab vom Ursprungsort Prémontré in Nordfrankreich. Der Orden verbreitete sich rasch und zählte in der Blütezeit mehr als 600 selbständige Klöster. Hauptverbreitungsgebiete waren Frankreich, Belgien, die Niederlande, das Rheinland, Schwaben, Böhmen und Ungarn.

 

Die Prämostratenser sind keine Mönche, sondern Chorherren oder Regularkanoniker. Bei den Mönchen steht das innerklösterliche Leben mit Gebet und Selbstheiligung im Vordergrund, die Chorherren betonen dagegen die Übernahme von Seelsorgeaufgaben in der Umgebung des Klosters.

 

Ordensspezifische Aufgabe der Prämonstratenser war von Anfang an die Landseelsorge. Abt Georg Lienhardt von Roggenburg hat den Seelsorgezweck in seinen grundlegenden Schriften zur Geschichte und Spiritualität des Ordens hervorgehoben. "Zu jedem guten Werk bereitet" - getreu diesem Leitspruch des Ordens ist jede Art von Seelsorge grundsätzlich möglich: Pfarrseelsorge, Katechese, Jugend- und Erwachsenenbildung, aber auch Studium und Wissenschaft.

 

Als Chorherren pflegen Prämonstratenser das gemeinsame, feierliche Chorgebet. Seelsorgeaufgaben werden vom Kloster aus wahrgenommen und nach Möglichkeit gemeinschaftlich durchgeführt.

 

So stellt der Prämonstratenserorden auch heute noch eine aktuelle Möglichkeit dar, den Seelsorgedienst mit dem Gemeinschaftsleben zu verbinden.

 

Bedeutende Prämonstratenserabteien bis 1803 waren in der Diözese Augsburg auch Ursberg und Steingaden mit der vom Orden erbauten Wieskirche. In Oberschwaben wirkten die mächtigen Reichsabteien Obermarchtal, Schussenried mit Steinhausen, der "schönsten Dorfkirche der Welt", Rot an der Rot mit der Wallfahrtskirche Maria Steinbach und Weissenau bei Ravensburg. Die Prämonstratenser-Klöster waren durch alle Jahrhunderte ihres Bestehens Zentren der Kultur und Wissenschaft. Durch die seelsorgliche Betreuung vieler Dörfer in ihrem Umkreis haben sie das kulturelle Antlitz unserer Heimat wesentlich geprägt.

 

Mit dem Zentrum für Familie, Umwelt und Kultur (Bildungszentrum) kommt dem Kloster nun eine Nutzung zu, die sich hervorragend in die Bemühungen einfügt, Schwaben zu einem Umweltkompetenzzentrum auszubauen und gleichzeitig sich den heutigen Fragen von Familien, Erziehung und kulturellem Leben zu widmen. Voll Mut und Tatkraft stellen sich die Prämonstratenser auch dieser neuen Herausforderung.

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