Der Prälatengarten

Ansicht von Roggenburg 1734 (Kupferstich)

Geschichte

Der Kupferstich von Johann Heinrich Stöcklin, Augsburg, aus dem Jahre 1734, kann helfen, die Bedeutung des Prälatengartens zu verstehen. Unschwer erkennt man Roggenburg in einer Phase größter baulicher Veränderung. Mit dem Klosterneubau ist bereits begonnen worden - der Westflügel des Zentralbaus ist bereits vollendet. Zug um Zug wurde das alte Kloster abgetragen und nach neuen Plänen wieder errichtet. Im Osten wird später ein Ökonomiegeviert vorgelagert. Im Westen ist der alte Hof zu sehen mit seinen noch unverbundenen Gebäuden. Im Rahmen der Barockisierung bleiben diese Gebäude erhalten, werden durch den Einbau von Eckresaliten ergänzt und barock "ummantelt". So entstand die Anlage, wie wir sie heute noch sehen: ein Ehrenhof vor der Residenz des Abtes, ganz nach barockem Empfinden.

 

Der Prälatengarten stammt in seinem Kern aus den mittelalterlichen Werkstätten (Metzgerei, Schreinerei, Bäckerei und Brauerei), Wohnungen für Gesinde, sowie Stallungen und Remisen. Durch die Wirren der Zeit und sich ändernde Nutzungen ergaben sich immer wieder bauliche Veränderungen. Der 30jährige Krieg machte Ende des 17. Jahrhunderts einen grundlegenden Wiederaufbau nötig.

 

Altes erhalten

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege unterstreicht bereits in seinen Stellungnahmen von 1989 die hohe Bedeutung, die dem Prälatengarten für das Gesamtensemble Kloster Roggenburg zukommt:

 

Als Bauteile mit besonderem denkmalpflegerischen Wert wurden eingestuft: der südliche Eckresalit in allen Stockwerken, die Dachkonstruktionen und die Kellerlandschaft, die in beiden Querrichtungen weit ausladen. Die Stukkaturen von Gaspare Mola werden im Urteil des Landesamtes eindeutig gekennzeichnet: als "sehr qualitätsvolle Gestaltungselemente ... teilweise figural und von erheblicher Bedeutung".

 

Der Gebäudezustand wurde als so bedrohlich bewertet, dass im Februar 1998 das Landesamt für Denkmalpflege die Fördergeber zu raschem Handeln bat: sonst sei dieser prägende Gebäudekomplex in seinem Bestand als höchst gefährdet einzustufen.

 

Maßnahmen von höchster Dringlichkeit:

  • Trockenlegung des gesamten Gebäudes durch Abschneiden und Drainieren
  • Bekämpfung des Hausschwammes, der große Teile des Westflügels befallen hatte
  • Behebung der Setzungen in den Kellergewölben
  • Sicherung und Wiederherstellung der Stukkaturen im ersten Obergeschoss (Gang u. Gästeräume)
  • Entnahme späterer Einbauten

 

Als prinzipielles Ziel verfolgte die Planungsgruppe unter Leitung von Prof. Dr. Josef Schwarz, Memmingen, den Charakter des Gebäudes in seiner Vielfalt zu erhalten und, bis hin auf die Ebene von kleinen Accessoires, das Gebäude selbst seine Geschichte erzählen zu lassen. Dass dieses Ziel erreicht worden ist, konnten die zahlreichen geladenen Gäste bei der feierlichen Eröffnung und Einweihung des Prälatengartens am 12. Mai 2001 erstmals bestaunen.

 

Neues (ge-)schaffen

Mit der feierlichen Einweihung des Prälatengartens am 12. Mai 2001 im Beisein zahlreicher namhafter Ehrengäste konnte die langjährigen Sanierungsarbeiten abgeschlossen werden und das gelungene Werk der Öffentlichkeit präsentiert werden. Nur wer den alten Zustand kennt, weiß welch große denkmalpflegerische Leistung hier vollbracht wurde: von der mitleidig belächelten Bauruine zur viel bewunderten Attraktion.

 

Mit dem Kloster freut sich die ganze Gemeinde Roggenburg über den geschichtsträchtigen Tag der Einweihung des Prälatengartens. Bürgerschaft, Gemeinderat und Bürgermeister gratulieren dem Konvent des Prämonstratenserklosters auch auf diesem Weg herzlich zu diesem gelungenen Werk und danken für die großartige Leistung. Herzlich sei auch allen ein "Vergelt's Gott" gesagt, die mit Ihrer Arbeit, mit Rat und Tat, mit finanzieller Unterstützung, zum bisher Erreichten beigetragen haben. Für Roggenburg war auch die große städtebauliche Leistung, die mit der Sanierung des Prälatengartens vollbracht wurde, besonders wichtig.

 

Die Sanierung des Prälatengartens eröffnet der Kunst- und Kulturförderung in Schwaben neue Möglichkeiten: im Sinne ganzheitlicher Persönlichkeitsentwicklung sollen die kreativen Fähigkeiten der Menschen in den einzelnen Bereichen der Kunst und Kultur gefördert werden. Offene Bildungsangebote, Fortbildung für Lehrer und Erzieher, und die Förderung von Kulturarbeit der Verbände (z.B. Blasmusik, Chöre, Theatergruppen usw.) sind hier möglich geworden. Es entstand hier ein Baustein, der durch die Bildungsstätte (Übernachtung und Seminarräume) und die historischen Räume des Klosters (Klosterkirche, Refektorium und Bibliothek) als Orte der Präsentation abgerundet wird.

 

Seinen räumlichen Niederschlag findet dieser Ansatz in einem differenzierten Werkstattbereich (Südflügel) und einem großzügigen Ausstellungsbereich (Westflügel). Damit folgt die räumliche Nutzung auf sensible Weise den historischen Raumzuschnitten.

 

Folgende Einrichtungen wurden geschaffen:

 

Lebendige Künstlerateliers im Südflügel und Südhaus

  • Holz-, Metall-, und Steinbearbeitung
  • Drucktechnik
  • Töpferei
  • Malerei, Grafik, Musizieren, Theater
  • Fotografie
  • Terrakotta und Plastik, sowie Gesprächsforum
  • Literatenkammer

 

Ausstellungsräume im Westflügel

  • Bildhauerei und Skulpturengarten im westl. Außenbereich
  • Wechselausstellungen aus Kunst, Kultur, Brauchtum, Volkskunde und Themen des Bildungszentrums (auf zwei Geschossen)

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