Perlen am Wegesrand

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Schöpferträume

Ich wollt, ich wär der liebe Gott und könnt mir was erschaffen.
Ich machte mir kein Paradies, kein Örtchen für Schlaraffen.

 

Ich schüfe mir ein Waldgebiet auf einem sanften Hügel,
darunter einen stillen See mit schwimmendem Geflügel.

 

Und mitten in den grünen Wald würd ich ein Kloster setzen,
mit Zwiebeltürmchen, schlank und hoch, und mich daran ergetzen.

 

Von außen tünchte ich es gelb samt seinen Steinportalen,
die Mönche würden mir den Bau von innen bunt bemalen.

 

Vorm Kloster gäb es ein Lokal im Stile einer Schenke,
am Giebel rankte wilder Wein, im Garten stünden Bänke.

 

Dort säße ich und blickte froh aufs Zwiebelturmgemäuer,
das Essen schmeckte tadellos, wär einfach und nicht teuer.

 

Direkt ans Wasser würde ich ein kleines Mühlhaus bauen,
verträumt von dort zur Abendzeit zum See hinüberschauen.

  

Den ganzen Ort umgäbe ich mit märchenhafter Stille
und schüfe mir auf diese Art die herrlichste Idylle.

 

Doch bin ich nicht der liebe Gott und kann mir nichts erschaffen.
Zu Diensten stehen weder mir die Engel noch die Pfaffen.

 

Der Ort, von dem ich eben sprach, er existiert auch so,
nur dreißig Kilometer weit, doch sag ich euch nicht, wo!

 

Jörn Heller

 

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