Roggenburg

Geschichte

Blick aufs Kloster im Frühling - von Gert Lupprian

Roggenburg war ursprünglich offenbar die Burg eines früh ausgestorbenen Hochadelsgeschlechts, das sich "von Bibereck" nannte. Seine Stiftung ist das nach der Überlieferung 1126 gegründete und von Ursberg aus besiedelte Prämonstratenser-Kloster Roggenburg.

 

Ursprünglich Probstei, wurde das Kloster 1444 zur Abtei erhoben, erhielt 1513 die hohe Gerichtsbarkeit und 1544 die Reichsunmittelbarkeit. Von der Stiftung her gehörtem dem Kloster vor allem die unmittelbar umliegenden Orte Meßhofen, Ingstetten und Schießen sowie Breitenthal und Ebershausen im heutigen Kreis Günzburg. Im Laufe der Jahrhunderte rundete das Kloster seinen Besitz durch eine zielbewusste Territorialpolitik günstig ab.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Blick aufs Schloss in RoggenburgDie großen Waldungen sowie das Klostergebäude zog 1802 der bayerische Staat an sich, der landwirtschaftliche Grundbesitz kam an die Grafen Spaur und von diesen 1853 durch Kauf an die Grafen Mirbach-Geldern-Egmont. Deren Schloss, 1911 umgebaut, war 1716 vom Kloster als Amtshaus erbaut worden.

 

Die Klostergebäude wurden 1732 begonnen von Christian Wiedemann aus Oberelchingen und seinem Sohn Johann Rudolf. Weitergeführt wurden sie 1750 von Jakob Jehle aus Obenhausen und - gleichzeitig mit dem Bau der Klosterkirche - von Martin Kramer. Sie bilden ein regelmäßiges Viereck an der Südseite der Kirche.

 

Die Flügel sind an den Ecken und in der Mitte erhöht und etwas verzogen. In einzelnen Räumen sind vorzügliche Stukkaturen des Rokoko erhalten, sowie - u.a. im Refektorium - Deckenfresken von Franz Martin Kuen. Die durch zwei Stockwerke reichende Bibliothek wurde klassizistisch dekoriert und 1781 mit einem Deckengemälde von Konrad Huber aus Weißenhorn versehen.

 

Nach der Aufhebung des Reichsstifts wurden im Klostergebäude die Pfarrwohnung und die Schule sowie bis 1862 das Landgericht und Rentamt untergebracht, die dann nach Weißenhorn verlegt wurden. Die Roggenburger Niederlassung der Franziskanerinnen betrieb dort 1885 bis 1930 eine Haushaltungsschule.

 

Die Pfarrei Roggenburg wurde 1805 nach Aufhebung des Klosters organisiert und umfasst bis heute auch Ingstetten und Meßhofen. Eine Schule bestand am Ort schon zu Zeiten des Klosters, das auch eine höhere Schule führte, die aus der Umgebung und von weither besucht wurde.

 

Die am nördlichen Ende des Klosterweihers gelegene Klostermühle wurde wohl aufgrund des kaiserlichen Privilegs erbaut, das 1448 dem Kloster Roggenburg die Einrichtung von Mühlen in seinem Gebiet zugestand. Die 1598 erstmals urkundlich bezeugte Mühle kam nach der Säkularisation in den Besitz der Roggenburger Gutsherrschaft.

 

Die Gemeinde Roggenburg wurde im Zuge der Gemeindegebietsreform gebildet und umfasst heute die Orte Biberach, Ingstetten, Meßhofen, Schießen, Schleebuch, Unteregg und Roggenburg.

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